Lebenswert – Frankfurt, Höchst und die Rhein-Main-Region

Im Wettstreit mit Bonn zog die Stadt am Main nach dem 2. Weltkrieg knapp den Kürzeren. Sie wurde nicht Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Stattdessen entwickelte sie sich in den 1960er und 1970er Jahren zum Finanzplatz Nummer 1 in Deutschland. Stadt der Bank und Banker – dieses Image haftete Frankfurt lange an. Geschäftiges Treiben am Tag, Leere und Tristesse nach Büroschluss. Wenig touristische Verlockung in Goethes Geburtsstadt? Wer mehr von Frankfurt kannte als Zeil und Hauptwache, wusste schon damals, dass das so nicht stimmt. Die Frankfurter Gemütlichkeit mit dem weichen Hessisch, sie war und ist allgegenwärtig. Lia Wöhr, Heinz Schenk und Reno Nonsens brachten Frankfurter Lebensart samt Bembel von 1966 bis 1987 mit der Samstagssendung „Zum Blauen Bock“ landesweit in die Wohnzimmer. Indes erschöpft sich das kulturelle Leben nicht im Volkstheater. Frankfurt hat viele Farben. Und wie kaum eine andere Stadt in Deutschland spiegelt sie die Geschichte der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Frankfurt war die Stadt der Auschwitz-Prozesse, die Stadt Adornos und Horkheimers, in Frankfurt schlug das Herz der 68er-Bewegung. 

Mainhattan: Boomtown, hessisch 

Heute hat Frankfurt die einzige ernstzunehmende Skyline in Deutschland, der Blick aus dem Taunus kommend ist genauso spektakulär wie der vom anderen Mainufer aus. Im Schatten der Türme hat sich die Stadt zu einer selbstbewussten, warmherzigen Metropole entwickelt, in der rund 730.000 Einwohner aus 180 Nationen friedlich zusammenleben. Denen gilt Frankfurt als die beste Stadt der Welt. Mit dem Flughafen Frankfurt/Main, der als internationales Drehkreuz jährlich rund 66 Millionen Passagiere abfertigt. Mit einem der größten Messestandorte weltweit. Mit Museen von Weltrang und dem Museumsufer, das einmal im Jahr Schauplatz eines der bedeutendsten und größten Kulturfeste Europas ist. Mit Alter Oper, Schauspiel und den Legenden Schmiere und Jazzkeller. 

Bei so vielen Superlativen und aller Dynamik bleibt Frankfurt vor allem eins: tiefverwurzelt, traditionell, gemütlich. Es wird gebabbelt und gelacht, der Ebbelwoi fließt ins Gerippte, dazu gibt’s Handkäs mit Musik, Gref-Völsings Rindsworscht oder auch, im Frühsommer, Grie Soß. Letzterer wird sogar alljährlich ein Festival gewidmet. Das alles ist Lokalpatriotismus im besten Sinn, den die FAZ einmal so auf den Punkt brachte: „Gibt es ein schöneres Wort als Schobbedeggelsche?“ Genau die gibt es dort, wo der Frankfurter sein Stöffche trinkt – in einem der zahlreichen Ebbelwoi-Lokale, in denen an langen Tischen, gut durchmischt, Einheimische und Touristen, Banker und Studenten sitzen und den Feierabend oder einfach das Leben feiern. 

Grün! Nicht nur die Soße ... 

Grün ist Frankfurt auch. Sehr grün. Der Stadtwald im Süden ist der größte seiner Art in Deutschland. Der Taunus gehört zwar nicht direkt zu Frankfurt, ist aber ebenfalls sehr nah, genau wie der Odenwald und der Spessart. Durch die ganze Stadt ziehen sich Grünstreifen und -gürtel. Am kleinen Fluss Nidda entlang, der von Nordosten her aus dem Vogelsberg kommt und im Westen in den Main fließt, können Spaziergänger und Radfahrer fast das ganze Frankfurter Stadtgebiet ausschließlich im Grünen durchqueren. Bis nach Höchst. 

Höchst, das waren in der Wahrnehmung lange Zeit: die Farbwerke. Auf dem Areal der früheren Hoechst AG entstand ab 1998 der Industriepark Höchst, in dem heute Unternehmen aus den Branchen Chemie, Pharma und Life Sciences angesiedelt sind und rund 22.000 Menschen arbeiten. 

Höchst sehenswert 

So, wie Frankfurt mehr ist als die Stadt der Banken, hat auch Frankfurt-Höchst mehr zu bieten als den Industriepark. Idyllisch am Ufer des Mains gelegen, ist der älteste Stadtteil Frankfurts ein lohnenswertes Ausflugziel, um durch mittelalterliche Straßen zu schlendern, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und immer wieder Neues zu entdecken. Da ist die historische Altstadt mit geschlossener Fachwerksbebauung, die 1972 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Da sind verwinkelte Gassen, liebevoll restaurierte historische Gebäude, gemütliche Gasthäuser. 

Da ist das Höchster Schloss, die frühere Residenz der Mainzer Erzbischöfe, das heute alljährlich im Sommer Schauplatz des Höchster Schlossfestes ist. Und da sind der Bolongaropalast, der im 18. Jahrhundert von den Brüdern Bolongaro, zwei italienischen Schnupftabakfabrikanten, erbaut wurde, und der dazugehörige Garten, ein historisches Schmuckstück aus der Zeit des Barock. 

In seiner lebendigen Geschichte war Höchst auch Standort von Manufakturen verschiedener Industriezweige. In der Höchster Porzellan-Manufaktur, nach Meißen die zweitälteste in Deutschland, werden noch heute nach alter Tradition Porzellane gefertigt. Die „Gläserne Porzellan-Manufaktur“ ist unter fachkundiger Führung zu besichtigen. Das Manufakturwesen ist in Höchst weiter lebendig. In der Altstadt haben sich in den vergangenen Jahren Designer und Künstler angesiedelt, deren Ateliers und Verkaufsräume dem Publikum offenstehen. 

Nicht nur als Ausflugsziel und Arbeitsplatz ist Höchst attraktiv, sondern auch als Wohnort. Während die Mieten in der Frankfurter City zum Niveau Münchens aufgeschlossen haben, sind in Höchst noch Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu finden. Und dank der guten Verkehrsanbindung ist man auch schnell in der Stadt. 

Business und Bembel, Döner und Rippche mit Kraut, urbane Schluchten und weites Grün: Frankfurt ist vielfältig und spannend. Und Höchst ist höchst Frankfurt. Zum Arbeiten und zum Leben. 

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